Dammer Veredelungstag 2020

Die Zukunft der Fleischmärkte hängt vom Verbraucher, China und der ASP ab

Auf unserem „Dammer Veredlungstag“ informierten wir über Veränderungen und Herausforderungen auf den Märkten für Schweine- und Rindfleisch

Die Entwicklungen und zukünftigen Herausforderungen der Fleischmärkte waren das Thema unseres „Dammer Veredlungstages 2020“, zu dem wir am 7. Januar 2020 in den Saal Fangmann in Osterfeine eingeladen hatten.  Vor den rund 170 anwesenden Mitgliedern, Kunden und Gästen beleuchtete Steen Sönnichsen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Westfleisch SCE, in seinem Vortrag die Märkte für Rind- und Schweinefleisch. Während der Rindfleischmarkt in Deutschland stabil sei, sei der Konsum von Schweinefleisch, entgegen dem globalen Trend, in Deutschland rückläufig. Der Rindfleischmarkt sei mit einer Exportquote von 7 Prozent stark auf den heimischen Markt konzentriert. Konkurrenz komme allerdings aus südamerikanischen Ländern, speziell bei teuren Edelteilen wie Steaks. Hier werde sich auch das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten auswirken. Für asiatische Länder wie China, Japan und Korea würden für deutsches Rindfleisch noch Exportzulassungen fehlen, so Sönnichsen.
Anders verhalte es sich auf dem Schweinefleischmarkt, der stark von den Entwicklungen in China und Asien beeinflusst werde. „Bis 2018 hatte China 50 Prozent der Weltproduktion“, unterstrich Sönnichsen. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China und dem damit verbundenen Rückgang der dortigen Schweinefleischproduktion, musste China mehr Schweinefleisch importieren, was sich auch positiv auf Absatz und Preis in Deutschland auswirkte. Allerdings sei China bisher ein unkalkulierbarer Partner, wie zum Beispiel der Import-Stopp im Sommer 2019 zeigte. Langfristig sieht Sönnichsen in China einen Strukturwandel von der „Hinterhofschweinehaltung“ hin zu großen industriellen Schweinehaltungsbetrieben. „Es ist eine Zeit für uns alle in der Landwirtschaft, die wir nutzen sollten, um die Strukturen weiterzuentwickeln und mit der Politik zu reden“, richtete Sönnichsen einen Aufruf an die Landwirte.

Die ASP stellt auch für die deutschen Schweinefleischproduzenten zurzeit eine große Gefahr dar. „Wenn die ASP auftritt, haben wir das bei den Wildschweinen. Wichtig ist es, dass wir das nicht in die Hausschweinbestände bekommen“, so Sönnichsen. Zur Sicherung des Exports nach China würden Gespräche laufen, um zu erreichen, dass wir nur gesperrt werden, wenn die ASP bei den Hausschweinen auftritt. Wir müssen hier noch Aufklärungsarbeit leisten.

Als weitere Herausforderungen für die Schweineproduzenten nannte Sönnichsen das sich verändernde Konsumverhalten in Richtung anderer Fleisch- und Proteinsorten sowie die Tierwohl-Diskussion.
„Wir dürfen uns den Trends nicht verschließen. Wir müssen das produzieren, was der Verbraucher haben will“, appellierte Sönnichsen und ergänzte: „Es muss aber auch finanziert werden.“ Doch gerade hier liege das Problem, wie Ruth Kleine-Kalmer von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Universität Osnabrück in dem zweiten Vortrag des Vormittags erläuterte. Die Verbraucher würden zwar auf der einen Seite mehr Tierwohl fordern, aber nur wenige Verbraucher seien bereit, mehr Geld für die Tierwohl-Produkte zu bezahlen. Das zeigten die Ergebnisse eines Realexperiments zu dem Abverkauf von Selbstbedienungsware wie Bratwurst, Gulasch und Minutensteaks.

In der nachfolgenden Diskussion erläuterte Sönnichsen: „Die Kriterien für Tierwohl-Label werden über die Politik festgelegt. Aber wir können nicht alles über die Politik regeln.“ Man müsse marktorientiert handeln und nicht politisch orientiert, forderte er. Und noch einen weiteren Appell richtete er an die Anwesenden: „Wir müssen Antworten geben. Wir sind immer in der Defensive. Wir müssen die Diskussion drehen und auch die Produktionsbedingungen im Ausland in die Diskussion miteinbringen“.

Einmal jährlich laden wir zum „Dammer Veredlungstag“ ein. „Mittlerweile ist die immer Anfang Januar stattfindende Veranstaltung schon zu einem festen Termin im Kalender der Landwirte geworden. Mit den ausgewählten Themen ist dies eine wichtige Informationsquelle für unsere Mitglieder“, so unser stellv. Vorstandsvorsitzender Stephan Sander.

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